Danke, lieber Henryk!

Der Buchautor und Journalist Henryk M. Broder wurde 1946 in Polen-Kattowitz geboren. Seine Leser lieben oder hassen ihn – eine Mitte existiert nicht. Er selbst würde sich nicht als Polemiker bezeichnen, vielmehr reflektiert er die Polemik der anderen. Und wenn ihn jemand als Polemiker bezeichnet, dann ist das für ihn eine “subtile Form der anerkennenden Distanzierung”.

Ich habe großen Respekt vor ihm und mich bis heute nicht getraut, ihn zu duzen, doch wahrscheinlich ist das etwas typisch türkisches, da ich es von zu Hause so gelernt habe; nämlich, seine Jüngeren und Älteren zu respektieren und zu achten. Doch eines haben wir gemeinsam: wir beide sind säkulare Beutedeutsche. Ich bin Moslem, er ist Jude. Ich bin ein schlechter Moslem und er ist ein schlechter Jude – doch ich bin ihm dankbar dafür, da er somit die Auferstehung des Messias verhindert. Ich habe weniger Glück, in vielen islamischen Staaten dieser Welt würde man mich für meinen frevlerischen Lebensstil enthaupten.

Eigentlich vergaß ich oft, dass er ein Jude ist, doch er wird immer wieder daran erinnert, so wie ich immer wieder mit Begriffen wie “Migrationshintergrund” oder “Hybride” daran erinnert werde, ein außerirdischer mit Doppelidentität zu sein. Doch mittlerweile genießt er es, da er zum auserwählten Volk gehört und somit sofort im Mittelpunkt steht. Und als er seinen Freund Hamed Abdel-Samad fragte, warum sich Gott kein neues Volk aussuche, um ihn endlich zu erlösen, antwortete dieser, dass er das schon längst getan hätte und nun die Muslime Gottes Rache an der Menschheit sind. So take it easy!

Allerdings hat Henryk M. Broder auch viele Feinde. Diese bezeichnen ihn als “Muslimhasser”, “Islamhetzer” oder einfach nur als “Rassisten”. Doch diese Menschen sind nur zu bemitleiden, denn anscheinend haben sie sich nicht mit seinen Artikeln und Interviews auseinandergesetzt. Er hat nichts gegen Muslime, nichts gegen den Bau von Moscheen und nichts gegen Menschen, die an Allah glauben und fünf mal am Tag beten. Ihm geht es einzig und allein darum, dass sich jeder an die Spielregeln hält und er sich nicht vorschreiben lassen möchte, was er lesen und sagen darf und was nicht. Er möchte es nicht verstehen, wenn sich eine Familie dazu entschließt, ihre Tochter umzubringen, und wenn Menschen aufgrund ihres freiheitlichen Lebensstils oder kritische Persönlichkeiten aufgrund ihrer Meinung aus bestimmten Bezirken gemobbt werden. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und bin der Meinung, dass er ein wahrer Menschenrechtler ist. Denn er ist es, der die Revolution in der arabischen Welt befürwortet; er ist es, der sich für die Rechte der Frauen und Homosexuellen im Iran einsetzt; er ist es, der sich gegen Xenophobie in breiten Teilen der Gesellschaft einsetzt; er ist es, der sich Nachts in Kreuzberg sicherer fühlt als um 16 Uhr in Cottbus; er ist es, der auf den Antisemitismus in der Linkspartei aufmerksam macht; und er ist es, der sich nicht seine Liebe zum türkischen Essen kaputtmachen lässt, wenn Erdogan eine provokante Wahlkampfrede in Deutschland hält.

Derzeit versuchen ihn seine Feinde zu provozieren, indem sie ihm und anderen Islamkritikern unterstellen, für den Terroranschlag in Oslo mitverantwortlich zu sein, was vollkommener Schwachsinn ist, da man auch keinen Grünen beschuldigen kann als Katalysator zu fungieren, wenn ein geisteskranker Ökoterrorist Stuttgart 21-Befürworter über den Haufen schießt.

Wenn es etwas gibt, womit man ihn provozieren kann, dann ist es sein Alter und sein Gewichtsproblem. Und um es wieder gut zu machen, reicht eine Portion Baklava vollkommen aus. Danke, lieber Henryk!

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