Junge Muslime und der Islamismus in Deutschland

Vor einigen Tagen nahm die Anti-Terror-Einheit GSG9 einen islamistischen Terrorverdächtigen namens Halil S. fest, der unter dem Pseudonym “Abdullah” agierte. Die Fahnder befürchteten, dass der 27-Jährige einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt verüben wollte. S. soll zum erweiterten Kreis der Düsseldorfer Al-Kaida-Zelle gehören, deren Mitglieder, Abdeladim El-K. (29), Amid C. (19) und Jamil S. (31), Ende April festgenommen wurden. Doch es war nicht der einzige Anschlag, der vereitelt wurde. Und erschreckend ist vor allem, dass es sich in allen Fällen um junge Muslime handelt, die im Internet politisch-religiös indoktriniert wurden.

Im September diesen Jahres verhaftete die Polizei einen 24-Jährigen Terrorverdächtigen, der zusammen mit einem 28-Jährigen Komplizen einen Bombenanschlag vorbereitet hatte. Die Beamten durchsuchten die Wohnungen der beiden Männer in Neukölln und Kreuzberg sowie einen islamischen Kulturverein in Wedding. Auch Arid U., der am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten regelrecht hinrichtete, war gerade einmal 21 Jahre alt.

Im August veröffentlichte ich ein Interview mit dem festgenommenen Betreiber der Terror-Plattform “Islambruederschaft.com”, Omid H., der auch 21 Jahre alt war, und versuchte seine Gedankenwelt zu durchleuchten. Im Juli wurde er zusammen mit seinem Komplizen “Al-Almani” – ein deutscher Konvertit, der nicht viel älter ist – festgenommen. Mittlerweile wurde das Interview von einigen Islamwissenschaftlern analysiert und ausgewertet. Einen Monat zuvor, im Juni 2011, nahm man auch den 19-Jährigen Betreiber der islamistischen Plattform “Islamic Hacker Union”, Harry M., fest.

Alle haben eines gemeinsam: Sie sind jung und – verführbar für den Terrorismus. Einige von ihnen standen sogar im Kontakt mit der Al-Kaida, die anscheinend noch immer Terroranschläge in Deutschland verüben und junge Muslime für den Dschihad rekrutieren will.

Erschreckend ist auch, dass keine Debatte über die Verführbarkeit junger Muslime stattfindet, die ihre Sozialisation in Deutschland erfahren und sich dennoch radikalisiert haben. Wer machte den Afghanen Omid H. zu einem Propagandisten des Terrors in den Stammesgebieten? “Fast jedes Land der Ungläubigen hat sich am Krieg gegen die Muslime in Afghanistan angeschlossen und kämpft im Interesse der Juden-Lobby aus den USA”, so Omid H. Nun stellt sich folgende Frage: Kämpfte er im Namen des Islam oder aufgrund der Besetzung seines Heimatlandes? Fakt ist: Die politisierte Religionsmissbräuchlichkeit darf nicht unterschätzt werden, da vor allem islamistische Chef-Ideologen junge Muslime, die in der Phase der Adoleszenz viele Fragen stellen und somit nach einer Orientierung suchen, ködern, um den islamistischen Terror, der im Gegensatz zum separatistischen Terror eine globale Gefahr darstellt, zu exportieren.

Dass die deutschen Sicherheitsbehörden im Falle des Rechtsterrorismus eindeutig geschlampt haben und es anscheinend Dutzende korrupte Beamte gibt, die auf dem rechten Auge blind sind, ist bittere Realität. Diese müssen, wenn der Staat das Vertrauen der Bürger wiedererlangen will, zur Rechenschaft gezogen werden. Dennoch ist die Existenz des Verfassungsschutzes unabdingbar. Denn ohne die Geheimdienste hätte man die versuchten Anschläge niemals vereiteln können.

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