Vor allem “muslimischstämmige Islamkritiker” werden auf rechtsradikalen und rassistischen Hetz-Plattformen wie “Politically Incorrect” – die Tag ein, Tag aus psychologischen Terrorismus betreiben, um die Gesellschaft zu spalten – gefeiert und förmlich auf Händen getragen. So auch Sabatina James, eine aus Pakistan stammende Ex-Muslimin, die zum Christentum konvertierte und sich nun gegen Zwangsehen und Ehrenmorde einsetzt, doch es nicht für nötig hält, sich von solchen Plattformen zu distanzieren, wenn die rassistischen Leser – mit denen die witzigen Autoren von PI-News natürlich nichts am Hut haben – aufgrund ihrer Aussagen einen islamkritischen Orgasmus bekommen und die Muster-Migrantin verbal auszeichnen. Anscheinend genießt sie den Medien-Rummel und macht ordentlich Werbung für ihr neues Buch. Und das ohne Rücksicht auf Verluste.
In der aktuellen Ausgabe des “Spiegel” durften wir erfahren, dass sie “politisch unkorrekt” ist. “So was veröffentlicht Ihr nie. Dazu seid ihr politisch-korrekten Pressefritzen zu feige”, so die Muster-Ex-Muslimin zu Matthias Matussek, der nun Jesus statt Marx anbetet. Doch wer das Gegenteil von “politisch korrekt” kennt, der weiß, was das bedeutet.
Dass die Türkei wirtschaftlich am Aufsteigen und dank dem großen Revolutionär Mustafa Kemal Pascha – der die europäischen Besatzungsmächte im Meer versenkte – das erste laizistische Land mit überwiegend muslimischer Bevölkerung ist und sich bis heute gesetzlich rein gar nichts verändert hat, will James nicht wissen. “Ausgerechnet Erdogan. In der Türkei ist jede dritte Frau zwangsverheiratet, der Staatspräsident Gül hat seine geehelicht, als sie 15 war. Erdogan soll, bevor er hilft, erst einmal dafür sorgen, dass keine Christen in der Türkei umgebracht werden.” Und Europa sollte dafür sorgen, dass keine Muslime umgebracht werden. Doch hierzulande gilt: Die derzeitige Regierung in Ankara ist islamistisch und neo-osmanisch; und das unabhängig davon, ob sich Erdogan in den arabischen Revolutionsstaaten für den Laizismus ausgesprochen hat oder nicht. Denn die Türkei ist der muslimische Türke unter den Staaten. Doch niemand sollte die laizistische Republik mit perfiden Islamisten vergleichen. Nicht umsonst sagte Atatürk: “Wir nehmen nicht den Imperialismus der europäischen Staaten als Vorbild, sondern den Fortschritt und die Weiterentwicklung.“ Der Imperialismus, von dem Kemal Pascha sprach, wird hierzulande verharmlosend “Realpolitik” genannt. Und im Namen dieser “Realpolitik” kooperierte der “fortschrittliche Westen” mit reaktionären Islamisten; vor allem mit Pakistan, dem Heimatland dieser unterdrückten Dame, die nach der Wahrheit strebt.
Auffallend ist auch die Naivität der sogenannten “muslimischstämmigen Islamkritiker”, die allen Ernstes glauben, dass sich PI-News für die Rechte der unterdrückten Muslime einsetzt. Wäre Sabatina James eine pakistanische Asylantin, wären die Autoren und Leser dieser Plattform - die allesamt angeblich nichts miteinander zu tun haben – die Ersten, die sich gegen ihre Aufenthaltsgenehmigung aussprechen würden. Denn diese Sekten-Anhänger – die liebend gern die Anschläge von Rechtsterroristen wie Breivik und das Thüringer Neonazi-Trio bagatellisieren – unterscheiden nicht zwischen säkularen und radikalen Muslimen und sprechen sich gegen die “islamische Einwanderung” aus. Schließlich ist es die türkische Frau, die auf solchen Plattformen als “Gebährmaschine” und “schwarzer Sack” bezeichnet wird und angeblich einen demografischen Dschihad durchführt, um die Bundesrepublik zu islamisieren. Demnach ist jeder Bürger, dessen Eltern aus einem islamischen Land stammen, der Grund für die “Überfremdung Deutschlands”.
Eins steht fest: Islamkritiker mit einem sogenannten “Migrationshintergrund” – ein Begriff, den neuerdings auch Cem Özdemir angefangen hat zu kritisieren -, die sich nicht eindeutig von dieser Plattform distanzieren, machen sich unglaubwürdig und sind profitgierige Kretins.
Eine weitere Person, die anscheinend nichts dagegen hat, auf dieser rassistischen Plattform gelegentlich als Gastautorin zu fungieren, ist Melody Sucharewicz, eine in Deutschland geborene israelische Beraterin für politische Kommunikation und Strategie, die zwischen 2006 und 2007 Sonderbotschafterin Israels war und den zweiten deutschen Israelkongress in Frankfurt moderierte. Die teilnehmenden Gäste, darunter auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, wussten anscheinend nichts von den Aktivitäten dieser netten Dame mit den Powerlocken.
Dass Israel aufgrund seines Kampfes gegen radikale Islamisten vor allem von hiesigen Rechtspopulisten ausgenutzt wird, ist freilich nichts Neues. So auch die Funktionäre der Partei “DIE FREIHEIT”, die extra nach Israel reisten, um ihren Muslimhass in einer politisch aseptischen Form vorstellen zu können. Dabei verglichen sie mit einer “Neukölln-statt-Hindukusch“-Mentalität die Konflikte in Gaza mit den Zuständen in den Parallelgesellschaften deutscher Großstädte. Doch wenn es um die Aufklärung geht, die ich bewundere, lehnen sowohl die Rechtspopulisten als auch die Islamisten eine historisch-kritische Exegese und somit die Akademisierung der islamischen Theologie ab, da beide eine reformatorische Erneuerung des Korans für unmöglich halten. Und spielen sich somit gegenseitig in die Hände.
Eins ist klar: Den Rechtspopulisten geht es nicht um legitime Islamkritik, denn sie bedauern die Existenz aller Muslime. Und genau auf diesen verdeckten Rassismus muss man weiterhin aufmerksam machen. Denn ob Islamisten oder Rechtspopulisten: Wer Menschen aufgrund ihrer Religion oder ethnischen Zugehörigkeit stigmatisiert, der wird mich nicht so schnell wieder los.