Mit Kopftuch im Parlament? Für die strikte Trennung von Staat und Religion

Heute stieß ich im Facebook auf ein älteres Video über Mahinur Özdemir, die jüngste Abgeordnete im Brüsseler Parlament und die erste in Europa mit einem Kopftuch.

Ich postete das Video und kommentierte es wie folgt: “Ich persönlich bin dagegen, da der Staat immer neutral bleiben muss. Viele sagen, dass sie die Gesellschaft widerspiegelt, was sicherlich auch stimmt. Doch sie ist nicht die Repräsentantin der Muslime, sondern der gesamten Gesellschaft. Ich wäre auch dagegen, wenn ein christlicher Politiker ein Kruzifix tragen würde. Außerdem suggeriert man der Bevölkerung, dass jeder Muslim fromm ist, obwohl es Dutzende Säkularisten gibt, die in dieser Debatte gar keine Rolle spielen.”

Mein Beitrag löste eine hitzige Debatte aus. User Tim S., ein bekennender Linker, schrieb: “Du argumentierst wie diese illiberalen, elitären Hardcore-Kemalisten, die mit ihrem militanten Säkularismus den immensen Erfolg der AKP überhaupt erst ermöglicht haben. Was interessiert mich die Kleidung einer Muslimin, solange sie mich politisch adäquat vertritt? Ich sehe die vermeintliche Logik hinter deiner Scheinargumentation nicht. Warum sollte man ferner noch ein Problem mit dem Kreuz haben? Ob der von mir höchst geschätzte Heiner Geißler nun eins trägt oder nicht, schmälert doch seine politische Arbeit nicht, oder?! Solange keiner dieser Abgeordneten frömmelnd und voller Inbrunst das Evangelium predigen, sollte keiner ein ernsthaftes Problem mit religiösen Insignien haben, weil es sonst chauvinistisch und höchst intolerant wäre.”

Nun, ich muss zugeben: Meine laizistischen Eltern, die vehemente Verteidiger der Prinzipien Atatürks sind, haben mich anscheinend erfolgreich indoktriniert. Denn mein Verstand sagt mir, dass man erst neutral sein kann, wenn sich jeder an die demokratischen Spielregeln hält. Religionen können nur respektiert und toleriert werden, wenn der Staat auf strikte Neutralität setzt. Und was ist mit den Atheisten? Weder sie noch die säkularen Muslime spielen in dieser Debatte eine Rolle. Jeder, der gegen religiöse Symbole ist, ist entweder ein Hardcore-Kemalist oder ein islamophober Faschist. Doch ich habe nichts gegen bedeckte Frauen. Ganz im Gegenteil, ich bin der Erste, der rebelliert, wenn sie diskriminiert werden – wie z.B. auf dem Arbeitsmarkt oder auf rechtspopulistischen Plattformen.

Merkwürdig ist nur die Tatsache, dass sich die Linken zwar für islamische Symbole in öffentlichen Einrichtungen einsetzen, doch als erstes den Saal verlassen, wenn der Papst vor dem Parlament eine Rede hält.

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