Die WELT berichtet, dass der Vorstand der Sehitlik-Moschee in Berlin einen Brief mit volksverhetzendem Inhalt erhalten habe. Der Verfasser fordert in dem Schreiben “alle Muslime” auf, binnen sechs Monaten Deutschland zu verlassen. “Wir sollen friedlich das Land verlassen. Sonst könne nicht mehr für unsere Sicherheit garantiert werden”, zitiert Cetin den Verfasser des “islamkritischen Pamphlets”. Und mit Erschießung werde auch gedroht.
Nun stellt sich mir die Frage, wer “alle Muslime” sind. Der Schreiberling meint sicherlich nicht Peter, der letztes Jahr zum Islam konvertierte und sich ausnahmsweise keinen Bart stehen lässt. Denn ihn nimmt die Gesellschaft nicht als Muslim wahr. Der Muslim hat schwarze Haare und dunkle Augen. Die Muslimin trägt ein Kopftuch und schiebt einen Kinderwagen vor sich her.
Kurz: Wenn muslimfeindliche Kretins Jagd auf “alle Muslime” machen, dann werden sie zuallererst Personen wie mich attackieren, da ich der Prototyp des Muslims bin. Doch nicht nur ihnen bin ich ein Dorn im Auge, sondern auch den Anhängern der “Integration von Muslimen”. Demnach muss man mich schleunigst integrieren, um die Gefahr, die von mir ausgeht, zu entschärfen. Ein Schwede, der kein “sichtbarer Migrant” ist, wird wiederum nicht mit dieser lächerlichen Debatte belästigt.
Den Rechtspopulisten geht es nicht um das Fremde an sich, da sie nämlich nichts gegen Italiener oder Spanier haben, obwohl diese den Türken ziemlich ähneln. Ihr Hass zielt auf die Existenz der Menschen ab, die ursprünglich aus der islamischen Welt oder einer “fremden Kultur” stammen, die laut ihrer Meinung mit der hiesigen nicht “kompatibel” ist. Und dabei spielt es keine Rolle, ob ich säkular bin oder nicht. Denn schließlich ist es mein zukünftiges Kind, das schuld an der Überfremdung Deutschlands ist.